Abstimmungsergebnisse
Im Rahmen des Tagesworkshops „Digital Democracy Camp“ am 23. Mai 2025 wurden die Teilnehmenden zunächst in grundlegende Konzepte digitaler demokratischer Prozesse eingeführt. Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Vermittlung methodischer Grundlagen zur Formulierung von Hypothesen und Argumenten, insbesondere im Hinblick auf klare, überprüfbare und konstruktive Aussagen. Nach dieser Einführungsphase arbeiteten die Teilnehmenden in fünf themenspezifischen Gruppen, sogenannten Thementischen.
Jede Gruppe setzte sich intensiv mit einem vorgegebenen Thema auseinander und wurde dabei von Expert:innen im jeweiligen Themenbereich begleitet. Ziel dieser Arbeitsphase war es, auf Grundlage der erarbeiteten Inhalte jeweils zwei Thesen bzw. Argumente pro Gruppe zu formulieren, die einen konkreten Bezug zum KIT aufweisen. Im Anschluss präsentierten die Gruppen ihre Thesen im Plenum. Diese wurden gemeinsam diskutiert, konstruktiv reflektiert und, sofern erforderlich, inhaltlich sowie sprachlich weiterentwickelt. Dadurch wurde sichergestellt, dass die finalen Thesen verständlich, differenziert und für alle Teilnehmenden nachvollziehbar formuliert waren. Auf diese Weise sollten die gesammelten Thesen als eine Liste an Forderungen „Charta“, eine Orientierung zur Verbesserung der demokratischen Situation am KIT dienen.
Zum Abschluss des Workshops fanden mehrere Abstimmungen statt. Zunächst wurde jede These einzeln bewertet, anschließend erfolgte eine themenübergreifende Gesamtbewertung aller Thesen. Die dabei erhobenen Abstimmungsergebnisse bilden die Grundlage der nachfolgenden Ergebnisdarstellung und spiegeln die Einschätzungen und Meinungen der Teilnehmenden zum Zeitpunkt des Workshops wider.
Darstellung und Einordnung
Die Abstimmungsergebnisse zu den einzelnen Thesen werden in Form von zwei Grafiken pro These dargestellt. Jede Grafik bildet dabei jeweils zwei unterschiedliche Bewertungsdimensionen ab, um eine differenzierte Einschätzung der Thesen zu ermöglichen.
Die erste Grafik (links) erfasst zum einen, inwieweit die Teilnehmenden der jeweiligen These zustimmen, und zum anderen, welche Bedeutung bzw. Wichtigkeit sie dieser These beimessen. Durch die Kombination dieser beiden Dimensionen wird deutlich, ob eine These nicht nur inhaltlich Zustimmung erfährt, sondern auch als relevant für den Diskurs rund um digitale Demokratie am KIT wahrgenommen wird.
Die zweite Grafik (rechts) bezieht sich auf die wahrgenommene Unterstützungsfähigkeit der These innerhalb des KITs. Dabei schätzten die Teilnehmenden ein, in welchem Maß die These ihrer Meinung nach von Studierenden unterstützt werden würde und in welchem Maß sie Unterstützung im restlichen Umfeld des KIT erfahren könnte. Diese Einschätzung ermöglicht eine Einordnung der Thesen im Hinblick auf ihre potenzielle Akzeptanz über den Tagesworkshop hinaus.
Gemeinsam erlauben beide Grafiken eine ganzheitliche Betrachtung der Thesen, indem sowohl persönliche Zustimmung und Relevanz als auch die erwartete institutionelle Unterstützung berücksichtigt werden.
Thementisch Oligarchie

Die These „Alle Sitzungen der gewählten Gremien sollten öffentlich und die Protokolle einsehbar sein.“ wird von den Teilnehmenden mehrheitlich befürwortet und als relevant eingeschätzt. Zudem wird ihr eine vergleichsweise hohe potenzielle Akzeptanz unter Studierenden zugeschrieben, während die erwartete Unterstützung im übrigen KIT-Umfeld deutlich zurückhaltender bewertet wird.

Die These „Der Senat sollte in den Punkten Strategie (Struktur- und Entwicklungsplan sowie bauliche Entwicklungsplanung) und Finanzen (Wirtschafts- und Finanzplan) (mit) entscheiden dürfen.“ wird von den Teilnehmenden mehrheitlich unterstützt und als relevant eingeschätzt. Zugleich zeigen die Ergebnisse, dass die erwartete Unterstützung, insbesondere im weiteren institutionellen Umfeld des KIT, differenziert bewertet wird.
Thementisch Bürger:innenräte

Die These „Ein Autoverbot auf dem Campus-Süd würde bei einer großen Mehrheit das Sicherheitsbefinden steigern.“ wird von den Teilnehmenden zwar teilweise befürwortet, jedoch sowohl hinsichtlich ihrer Relevanz als auch ihrer institutionellen Umsetzbarkeit deutlich kontrovers eingeschätzt.

Die These „Das KIT sollte studentische Bürger:innenräte für bestimmte unipolitische Entscheidungen einführen.“ wird von den Teilnehmenden überwiegend positiv bewertet und als relevant für den Diskurs am KIT wahrgenommen. Gleichzeitig zeigen die Ergebnisse, dass die erwartete Unterstützung innerhalb des KIT zwar grundsätzlich vorhanden ist, jedoch insbesondere auf institutioneller Ebene uneinheitlich eingeschätzt wird.
Thementisch Soziale Netzwerke

Die These „Das KIT sollte Forschung zu Demokratie betreiben.“ wird von den Teilnehmenden mit hoher Zustimmung und Relevanz bewertet. Zudem wird ihr eine starke Unterstützungsfähigkeit innerhalb des KIT zugeschrieben, wodurch sie sich im Vergleich zu anderen Thesen als besonders konsensfähig darstellt.

Die These „Ilias und weitere zukünftige digitale Plattformen des KIT müssen die Möglichkeit zur Pseudonymisierung geben, welche nur von einem unabhängigen Gremium aufgehoben werden kann, um bei Verstößen gegen Community Richtlinien zu sanktionieren.“ wird von den Teilnehmenden sehr unterschiedlich bewertet. Sowohl die inhaltliche Zustimmung als auch die wahrgenommene Relevanz und Unterstützungsfähigkeit fallen weniger eindeutig aus als bei anderen Thesen.
Thementisch Back to Basics

Die These „Das KIT soll Räume für gelebte demokratische Praxis bieten.“ wird von den Teilnehmenden mit hoher Zustimmung und Relevanz bewertet. Zudem wird ihr eine gute Unterstützungsfähigkeit innerhalb des KIT zugeschrieben.

Die These „Es soll einen geeigneten digitalen Prozess geben, direkte Abstimmungen zu für Studierende relevanten Themen zu initiieren“ wird von den Teilnehmenden mit hoher Zustimmung und Relevanz bewertet. Zudem wird ihr eine starke Unterstützungsfähigkeit innerhalb des KIT zugeschrieben.
Thementisch Zivilgesellschaft

Die These „Das KIT soll einen Open Source Hub bereitstellen zur Unterstützung der Zivilgesellschaft in der digitalen Transformation.“ wird von den Teilnehmenden mit hoher Zustimmung und Relevanz bewertet und zugleich als gut anschlussfähig innerhalb des KIT eingeschätzt.

Die These „Demokratiebildung und Anwendung demokratischer Praktiken soll verpflichtender Teil des Studienplans am KIT sein.“ wird von den Teilnehmenden überwiegend positiv bewertet und insbesondere als wichtig erachtet. Zudem wird ihr eine gute Unterstützungsfähigkeit innerhalb des KIT zugeschrieben, wenngleich die Einschätzungen nicht vollständig einheitlich ausfallen.
Gesamtbewertung aller Thesen
In einer abschließenden Abstimmung wurden alle erarbeiteten Thesen gemeinsam bewertet. Hierfür standen allen Teilnehmenden jeweils insgesamt 100 Punkte zur Verfügung, die in 10er-Schritten auf die zehn Thesen verteilt werden konnten, um individuelle Prioritäten zu setzen und Thesen unterschiedlich stark zu gewichten. Ausgehend von der Anzahl der Thesen ergibt sich ein theoretischer Durchschnittswert von 10 Punkten pro These. Dieser Wert wurde als Referenz- bzw. Grenzwert für eine nähere Betrachtung festgelegt. Die Ergebnisse zeigen, dass drei Thesen den Referenzwert von 10 Punkten überschreiten und somit als besonders prioritäre Themen eingeschätzt wurden. Die höchste durchschnittliche Punktzahl entfällt auf die These zu digitalen Abstimmungen, gefolgt von der Forderung nach öffentlichen Protokollen und der These zur Demokratieforschung am KIT. Diese drei Thesen können als zentrale Schwerpunktsetzungen der Teilnehmenden interpretiert werden. Zusammenfassend zeigt die Gesamtbewertung eine klare Schwerpunktsetzung der Teilnehmenden auf digitale Beteiligungsformate, Transparenz sowie auf eine stärkere Verankerung von Demokratieforschung am KIT.
